portfolio ~ kai kasugai
Das zwölfte Bauwerk

Seitenübersicht
1 - Abgabe
2 - Aufgabe
3 - Text

Den Stegreif habe ich als Ätzradierung bearbeitet - im Rahmen des Seminars Druckgrafik. Die Aufgabenstellung siehe unten.


(klicke auf Bild, um hochauflösend anzuzeigen - 900 x 1209)
A3 Radierung "Taylor Street"

Aus dem Aufgabentext:
"Wählt man www.digitab.de/mueller, kann man sich eine interessante Sammlung von Graphiken anschauen - die 12 Bauwerke von Gottfried Müller.

Zählt man nach, so wird man feststellen, dass es nur 11 sind. Diese Tatsache ist genauso geheimnisvoll, wie die Bauwerke selbst. Skurrile und z.T. unscheinbare Bauten, wie sie jeder von uns schon oft auf ebenso uninteressanten wie öden Plätzen gesehen hat. In liebenswürdiger Sepiadarstellung präsentiert, werden sie erst durch ihre fantasmagorischen und oft nicht ganz geklärten Schicksale richtig interessant. Hinter den spröden Fassaden und unter den merkwürdigen Dächern verbergen sich Geschichten, die uns ebenso sentimental berühren wie schaudern lassen. Die bauhistorische Forschung wird gefordert, jedoch bleiben ihre Mittel oft in Vermutungen und vagen Hypothesen stecken.

Geforderte Leistungen
Die nicht zu unterschätzende Leistung ist die Vervollständigung von Müllers Sammlung - die Suche nach dem zwölften Bauwerk. Die Darstellung auf einem stehenden DIN A3 Format (Zeichnung und Text) sollte sich in Geist und Form in die Sammlung von Gottfried Müller einfügen."


Taylor Street 43,45

Der gesamte Straßenabschnitt in einem heruntergekommenen Vortort Londons ist bereits im Besitz einer Erbengemeinschaft, als das letzte Objekt erworben werden soll - ein viktorianisches Häuserpaar. Es soll einem Neubauprojekt Platz machen. Nachdem weder Besitzer, noch Bewohner festgestellt werden können, veranlasst man eine Hausdurchsuchung. Obwohl das Haus leer steht, handeln die Polizisten vorschriftsmäßig, und so durchsuchen zwei Gruppen von Beamten die Häuser parallel. Die Polizisten sind erschüttert, als sich beide Gruppen kurze Zeit später vor dem Haus treffen, um das Beobachtete auszutauschen.
Die Beschreibungen beider Durchsuchungstrupps ähneln sich bis ins letzte Detail. Es wurden in beiden Häusern drei Leichen, an exakt denselben Stellen gefunden. Eine Leiche einer Frau wurde jeweils in der Küche gefunden. Sie starb mit einer Spülbürste in der Hand. Je die Leiche eines Mannes wurde im Badezimmer gefunden. Sie war unbekleidet und befand sich in der Badewanne. Bei späteren Untersuchungen fand man Samenspuren an den Händen. Das letzte Leichenpaar befand sich im Schlafzimmer. Diese hatten eine schwarze Mülltüte über dem Kopf. Gerichtsmediziner diagnostizierten bei allen sechs Leichen "Tod durch Erschöpfung". Keine äußeren Gewalteinwirkungen wurden festgestellt. Die Mediziner vermuten jedoch, die Personen könnten unter Hypnose gestanden haben.
Die Inneneinrichtung beider Häuser war bis ins letzte Detail identisch. Alle Möbelstücke und Objekte wurden in übereinstimmenden Positionen aufgefunden, selbst Details wie Spuren an den Wänden glichen sich größtenteils.
Nur noch wenige Häuser der Straße waren bewohnt oder bewohnbar. Es fanden sich jedoch zwei Nachbarn, die sich an etwas erinnern konnten: Bis vor gut neun Jahren, zuweilen mehrmals täglich, kamen wildfremde Personen (immer zwei) zu den Häusern, trennten sich dort, und gingen alleine in die Häuser, kamen nach zehn Minuten heraus, tauschten die Schlüssel, um wieder alleine das jeweils andere Haus zu betreten. Nach weiteren zehn Minuten verließen die Personen den Ort wieder gemeinsam, immer sich angeregt unterhaltend. Niemals wurde einmal derselbe Besucher gesehen. Die Besuche hörten irgendwann plötzlich auf.
Weitere Ermittlungen konnten keine Aufschlüsse geben, der Besitzer (dem Namen nach vermutlich ein Deutscher) war unbekannt verzogen. Weiterhin völlig ungeklärt ist die Frage, warum beide Häuser, verglichen mit der Nachbarbebauung kaum Alterserscheinungen zeigen. In der Boulevardpresse entwickelten sich mysteriöse Gerüchte, einige behaupteten, die Zeit sei in den Häusern angehalten worden.
Projekt erstellt: 03.02.2005
zuletzt bearbeitet: 03.02.2005
Alle Abbildungen © Kai Kasugai (ausser andere Quellenangabe)
Seitenaufbau in 0.14s